Spezialist / Generalist / Fachanwalt

Im Unterschied zu anderen Ländern verfügt Deutschland über ein „Rechtssystem“ bei dem die Rechtsmaterien verwoben sind und nicht unabhängig voneinander existieren. Wenn jemand über Sie im Internet schreibt, dass Sie eine „unverbesserliche Betrügerfirma leiten“ und zum Boykott aufruft, so sind verschiedene Rechtsmaterien betroffen, wie Medienrecht, Strafrecht, u.U. Wettbewerbsrecht und über allem strahlt unsere Verfassung mit dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht und dem Recht am eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb. Und der böswillige Autor und sein Verlag, auf dessen Internetpräsenz die Meldung steht, berufen sich selbstverständlich auf ihr Recht auf freie Meinungsäußerung. Jeder in Deutschland zugelassene Rechtsanwalt muss deswegen „Volljurist“ sein, d.h. er hat in den Kernmaterien des Rechts eine profunde Ausbildung, die es ihm ermöglicht, dem Mandanten zu erklären, wie, weshalb und mit welchen Erfolgsaussichten er gegen wen vorgehen kann. Der Anwalt ist in Deutschland daher von Natur aus „Generalist“ weil er eine „generelle Kenntnis“ vom gesamten Rechtssystem hat, zumindest haben sollte.

Ich bin als Anwalt Generalist mit speziellen Schwerpunkten, aber kein Fachanwalt. Von daher versteht sich die Angabe meiner Rechtsgebiete auf dieser Website als Angabe meiner tatsächlichen Arbeitsschwerpunkte. Es gibt zwischenzeitlich 21 Fachanwaltschaften, von denen einige sehr sinnvoll sind, wie z.B. SteuerR, FamilienR, SozialR und Agrarrecht da diese Rechtsmaterien ein hohes Maß von Eigenleben führen. Bei anderen Fachanwaltschaften fragt man sich, welche Daseinsberechtigung sie haben. So wird der Fachanwalt für „Miet- und Wohnungseigentumsrecht“ für Rechtsgebiete verliehen, in den sich im Grunde jeder Anwalt gut auskennen müsste, weil es sich um häufig vorkommende „Publikumsmandate“ handelt. Das gleiche gilt für das Arbeitsrecht. Wenn ich überfragt bin hole ich für den Mandanten den Rat eines Fachanwaltes ein oder leite das gesamte Mandat weiter.